Schriftrollen vom Toten Meer

Die Schriftrollen vom Toten Meer (auch Qumranschriften) wurden zwischen 1947 und 1956 in elf Felshöhlen nahe der Ruinenstätte Khirbet Qumran im Westjordanland entdeckt. Sie umfassen rund 15.000 Fragmente von etwa 850 Rollen aus dem antiken Judentum, die von mindestens 500 verschiedenen Schreibern zwischen 250 v. Chr. und 40 n. Chr. beschriftet wurden. Darunter sind etwa 200 Texte des späteren Tanach. Dies sind die ältesten bekannten Handschriften der Bibel.

Qumran: Die Schriftrollen vom Toten Meer

Qumran: Die Schriftrollen vom Toten Meer

Auch in weiteren Höhlen nahe dem Westufer des Toten Meeres fand man antike Schriftrollen, so 1952 im Wadi Murabba’at (20 km südlich von Qumran), ab 1963 auf Masada, im Nachal Chever, in Wadi Sdeir und Nachal Ze’elim (1960) sowie 2004 im Nachal Arugot.

Material und Zustand
Die meisten Rollen bestehen aus zu dünnem Pergament gegerbten Ziegen- oder Schafsleder; auch Papyrus kommt als Schreibmaterial vor. Eine Rolle ist aus Kupferblech.

Nur einige der in Tonkrügen gelagerten Rollen aus Höhle 1 und 11 waren relativ gut erhalten, darunter eine 7,3 m lange, nahezu unbeschädigte Rolle des Buches Jesaja, die 9 m lange Tempelrolle, Teile der Psalmen, des Buches Daniel und ein Kommentar zu Habakuk. Die meisten übrigen Rollen lagen ungeschützt auf dem Boden, sind stark zerstört und oft in zum Teil nur daumennagelgroßen Fragmenten erhalten.

Sprachen
Die weitaus meisten gefundenen Texte sind in Hebräisch verfasst. Dabei spiegelt die Orthographie verschiedene Sprachstufen, von denen man eine besonders typische als Qumran-Hebräisch einordnet. Zwölf Rollen und die Gottesnamen in anderssprachigen Rollen sind in alt- bzw. paläohebräischer Schrift geschrieben. Etwa 70 Rollen sind in Aramäisch verfasst. Sie haben meist profanere, nichtbiblische Inhalte und sind älter als die hebräischen Texte. Mindestens 19 Rollen – alle aus Höhle 7 – sind in Griechisch notiert.

Die Bevorzugung des Hebräischen in bibelnahen Texten geschah zu einer Zeit, als dieses längst keine Umgangssprache mehr war. Klaus Berger folgert daraus zwar keine einheitliche Trägergruppe der Texte, sieht darin aber den „Ausdruck eines Reformprogramms nationaler und politischer, religiöser und kultureller Rückbesinnung auf die hebräische Identität Israels“.

Datierung
Alle in den Höhlen bei Qumran entdeckten Schriften entstanden vor der Zerstörung der nahen Siedlung 68 n. Chr., wie archäologische, sprachliche und inhaltliche Indizien bestätigen:

Alle Tonkrüge und Tonscherben aus den Höhlen waren gleichartig und stammten aus hellenistischer und römischer Zeit.

Leder-, Papyrus- und Stoffreste aus den Höhlen ließen sich mit der C14-Methode in den Zeitraum 250 v. Chr. bis 70 n. Chr. datieren. Die meisten davon stammen aus 100 v. Chr. bis 30 n. Chr., ein kleinerer Teil entstand zwischen 200 und 100 v. Chr., einige wenige noch früher.

Chemische Analysen von Giuseppe Pappalardo ergaben, dass das Pergament der Rollen mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Region, wo es später gefunden, auch hergestellt wurde.

Vergleiche von Schriftstilen, Abkürzungen, Ausdrücken mit den Methoden der Paläographie und historischen Bezügen in den Texten selbst erlaubten, viele Fragmente relativ sicher in diese Zeitspanne einzuordnen.
Die übrigen Textfunde aus Murabba’at, Nahal Hever und Masada ließen sich sicher in die Zeit des Bar-Kochba-Aufstands (132-135 n. Chr.) datieren. Vergleiche dieser Texte mit denen von Qumran ergaben zweifelsfrei das höhere Alter der letzteren.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Schriftrollen_vom_Toten_Meer (Stand: 26.02.2011)

Siehe auch: Kryon: Schriftrollen
Siehe auch: Kryon: Qumran

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2 Antworten zu Schriftrollen vom Toten Meer

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